Gedanken zur Fastenzeit

Aus der Zeitungsandacht von Pfarrerin Anne Bremer:

„Ich jammere jetzt mal. Darf ich? Macht man ja nicht. Das zeigt Schwäche. Oder man macht es und will hören: „Ach, du Arme, so viel und du schaffst das?“ Ich mach, und Sie denken, was Sie wollen. Machen Sie ja sowieso.

Unsere Wohnung ist eine Baustelle. Wir malern alle Kinderzimmer und machen Ringtausch und bauen aus. Leider geht dabei unser Dachboden und damit Stauraum verloren. Es ist absolut chaotisch. Das normale Leben ist schon verrückt genug. Eigentlich waren erst Ferien, aber ich habe das Gefühl, die sind schon Wochen her. Soviel gab es zwischendurch schon wieder. Und ich bin furchtbar müde. Um mich rum sind auch gerade so viele Geburtstage und ich frage mich ständig, was ich noch will im Leben und womit so langsam Schluss ist und was dann kommt. Wenn ich das so schreibe und lese, dann hört sich das wirklich wehleidig an. Nein, es geht mir gut, aber diese Gedanken und Gefühle sind eben doch da.

Die Fastenzeit hat begonnen. Die Menschen sind aufgerufen auf etwas zu verzichten, um den Wert dieser Sache neu zu bedenken. Um etwas anderes dafür zu gewinnen. Gewohntes in Frage zu stellen. Ich finde das sehr gut. Sich besinnen, reflektieren und vielleicht auch Dinge, Handlungsweisen zu ändern. Aber mir fällt nichts ein, auf das ich verzichten kann und will. Es muss schon was sein, das ich auch spüre. Aber ehrlich gesagt, das bekomme ich zur Zeit nicht hin. Meine Freundin sagte: „Verzichte auf den Verzicht.“ Vielleicht ist das auch eine Aufgabe in der Passionszeit, zu schauen, wann es reicht?

Ich kenne viele Menschen, besonders viele Frauen, die sich immer noch etwas draufpacken, noch ein Stück mehr von sich fordern. Soll ich sagen: Ich faste nicht. Ich schaffe es nicht auf mein Stück Schokolade zu verzichten, meine kleine Genuss-Belohnung. Ich habe nicht genug Kraft tapfer zu sein oder stark, mir Alternativen zu überlegen. Diese Ehrlichkeit klingt gut, aber das schlechte Gewissen ist auch gleich wieder da. Also, was mache ich?

– Stunden später –

Ich faste! Ich verzichte darauf, mich zu überfordern und zu denken, das muss. Ich merke meine Grenzen und gehe nicht drüber weg. Das werden anstrengende Wochen. Ich könnte Gesprächspartner*innen gebrauchen. Machen Sie mit? Wenn Sie Lust haben, schreiben Sie mich an.“

Wenn Sie Interesse und Lust haben, ihre Gedanken zur Fastenzeit zu teilen, sich Unterstützung zu holen oder welche zu geben, dann melden Sie sich gerne bei Pfarrerin Anne Bremer:

Stephanikirchhof 9
06449 Aschersleben
03473 888 130
0173 579 1981
anne.bremer@kk-egeln.de


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