Singt! – Worte (und Klänge) zu Kantate von Kantor Thomas Wiesenberg

„Dieser Sonntag passt überhaupt nicht in das Konzept der Abstands- und Hygiene-Regeln und angesichts dessen, dass alle Chorsänger*innen nun schon seit über einem Jahr darauf warten, dass es endlich los geht mit dem Singen. Auch die Gottesdienst-Besucher sollen nicht singen. Oder doch? Ich bin irritiert. Das passt nicht. Einerseits die Regel „singen verboten“ – andererseits die Anweisung „singet“. Denn so ist der Name dieses Sonntages im Monat Mai, wo die Vögel den ganzen Tag lang an ihrem Lied bis zum Geht-nicht-mehr üben.

Man möchte am liebsten einstimmen in das nicht zu überhörende Lied der Amsel oder das der Nachtigall. Aber unsere Kirchen sind still geworden. An der hölzernen Emporen-Brüstung der Ascherslebener Stephanikirche steht ein Spruch in goldenen Buchstaben „Singet dem Herrn in eurem Herzen“ (Kol. 13) . Ein Lied, das keiner hört? Jeder kennt den Spruch aus dem „Kleinen Prinzen“: „Man sieht nur mit dem Herzen gut; das Wesentliche bleibt für die Augen unsichtbar.“ Etwas abgewandelt: „Man hört nur mit dem Herzen gut; das Wesentliche bleibt für die Ohren unhörbar.

Auf der Festplatte meines Computers fand ich einige Mitschnitte der Kantorei und des Ensembles quintessence und – welch eine Freude – das älteste Dokument aus meiner Kindheit vor ca. 50 Jahren. Zusammen mit meinen Brüdern und meinem Vater sangen wir „ Lasst uns mit einander “, natürlich vierstimmig:

Bei dem Lied „ Oh Jesus mine “ hört man eine einsame Stimme, nicht laut, und doch innig, von Herzen gesungen. Als ob sie ausdrücken möchte: Jesus, du hörst meine Stimme, auch wenn sie noch so leise ist:

Das andere „ Wade in the water “ scheint das Bild vom Fluss zu sehen als Sehnsucht hin zu einer Normalität in Freiheit, wieder frei zu singen, wieder frei mit anderen zu singen und das Leben mit ihnen zu teilen:

Das dritte „ Oh happy day “ erkling in Ausgelassenheit, Freude über das, was wir durch Jesus erlebt haben, und über das, was vor uns liegt:

Zu guter Letzt noch eine Kantate, die ich für die Kantorei Aschersleben geschrieben habe „ Du meine Seele, singe “:

Ich bin mir sicher, dass in Vielen die Seele unaufhörlich weiter singt, auch wenn der Mund noch etwas Geduld aufbringen muss.“

– Thomas Wiesenberg, Kantor im Ev. Kirchspiel Aschersleben


Ein Gedanke zu “Singt! – Worte (und Klänge) zu Kantate von Kantor Thomas Wiesenberg

  1. Lieber Thomas Wiesenberg, herzlichen Dank für die Worte und Klänge zum Sonntag Kantate. Bei dem Lied „Lasst uns miteinander singen, spielen, loben den Herrn“ erinnern wir uns an die Zeit in der „Jungen Gemeinde“ in den 1960er Jahren. Das war damals ein Schlager. Freundliche Grüße von Astrit und Helmut Müller.

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