Zum Muttertag

Denken Sie am Muttertag eigentlich auch an Gott, die uns wie eine Mutter ist?

Gedanken zum Tag, zum Mutter-Sein, und zu ihrer Gottesbeziehung kommen heute von Pfarrerin Anne Bremer:

„Ich bin Mutter. Allerdings frage ich mich sehr oft, was für eine Mutter ich bin. Ich weiß, dass auf Instagram und anderen Plattformen das Bild, was von Müttern gezeigt wird, wirklich geschönt ist. Alles ist perfekt und gestylt. Diese Mütter bauen Kindergeburtstage, da breche ich zusammen. Und glauben Sie mir, ich liebe es sowas vorzubereiten. Aber diese Mütter machen es nicht nur wunderschön, sie verzweifeln auch nicht dabei. Kein: „Wie konnte ich so blöd sein, das machen zu wollen.“ Keine Tränen der Verzweiflung, weil der Kleber überall klebt, nur nicht am Superheldenmobil. Es sieht akkurat aus und sie stehen daneben und lächeln. Vom perfekten Kuchen, der natürlich mit passendem Dino oder Einhorn geschmückt ist, ganz abgesehen. Ich kann nicht backen. Ich kann auch nicht mal diese kreativen Schulbrote: ausgestochene Gesichter, Gemüse zu Kunstwerken verarbeitet.

Zum Muttersein gehört noch mehr, ich weiß. Und ich will so etwas auch gar nicht machen, wenn ich genau drüber nachdenke. Aber das Bild, das transportiert wird, hat Einfluss auf mich: Mutter sein ist toll, immer mit einem Lächeln, alles scheint leicht und einfach. Aber ich habe ein schlechtes Gewissen, weil ich nicht gerne Brettspiele mit ihnen mache.

Mein Muttersein wandelt sich. Meine Kinder werden groß. Und ich sag Ihnen, mir fehlen meine kleinen Kinder. Dass sie größer werden, selbständiger und damit auch für uns Eltern mehr Freiheiten entstehen, ist super und auch schön. Aber als sie klein waren, vertrauten sie mir einfach so. Glaubten mir. Himmelten mich an. Die beste Mama der Welt, heute bin ich peinlich. Wir hatten keine komischen Diskussionen. Natürlich gab es auch Streit und wir mussten „erziehen“, aber die Ansagen von uns Eltern waren klarer und wurden nicht zerpflückt und am Ende doch irgendwie ernst genommen. Ich lebte auch in der Wahrnehmung, dass wir ihnen mitgeben, was wichtig ist. Unsere Werte, Haltungen. Heute weiß ich, dass es zumindest Phasen gibt (ich hoffe, dass es nur Phasen sind), in denen das alles weg ist. Ob es Gott auch so geht?

Eine Vorstellung von Gott ist die als Mutter oder Vater. Kannte Gott Zeiten, wo es mit uns einfacher war? Vertrauter? Nicht alles in Frage gestellt wurde? Das waren wohl die paradiesischen Zeiten. So wie ich meine Kinder nicht loslassen kann, auch wenn ich sie nicht verstehe, wenn ich es anders denke und andere Wege als bessere empfinde, lässt Gott uns nicht los. Ich kann vieles nachvollziehen, wenn ich mich als Mutter erlebe und mir Gott als Mutter vorstelle. Da ​hält man viel aus. Und man hofft auch immer wieder. Und man ist dankbar für das Kind und diese Liebe.

Nun bin ich nicht nur Mutter, sondern auch Kind. Ich weiß zu schätzen, was es heißt eigene Wege zu gehen. Fehler zu machen und zurück zu kommen. Eigene Standpunkte zu entwickeln, die sogar anders sind. Und ich weiß, dass ich dabei auch die Anerkennung und den Stolz und die Liebe meiner Eltern brauche. Ich weiß, dass ich dankbar sein kann für einen Gott, der mich gehen lässt, der mich auffängt, und der mich auch liebt wie eine Mutter und ein Vater. Und ich bin heilfroh, dass dieser Gott nicht aus einer Instagram-pinterest-Welt kommt, in der alles gelingt und alles nur schön ist. Ich bin dankbar, dass ich auch in meiner Gottesbeziehung Brüche habe, Kanten, dunkle Stellen, Dinge die nicht funktionieren und mich auch überfordern. Denn so ist auch meine Welt und mir hilft ein Gott, der in meiner Welt ist.“

Bleiben Sie behütet,

Ihre Anne Bremer


4 Gedanken zu “Zum Muttertag

  1. Liebe Anne, herzliche Dank für deine Gedanken zu diesem Sonntag. Sie sind für Mütter und Väter gut. Wir denken dabei auch an die Liedstrophe „Denn wie von treuen Müttern in schweren Ungewittern die Kinder hier auf Erden mit Fleiß bewahret werden, also auch und nicht minder lässt Gott uns, seine Kinder, wenn Not und Trüsal blitzen, in seinem Schoße sitzen“. Liebe Grüße von A. u. H.M.

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  2. Ja, so ist es. Gut, dass es Persönlichkeiten gibt
    die ansprechen, was doch so viele bewegt.

    Instagram-pinterest-Welt

    … ist aber nicht klar …

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    1. Ich denke, was Anne Bremer damit ansprechen möchte, ist die Welt, die in den sozialen Medien (zum Beispiel bei Instagram und Pinterest) dargestellt wird. Meistens sind die Bilder, die wir dort sehen, übertrieben in Szene gesetzt und geschönt – eben kein Abbild der wirklichen, realen Welt.

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